Zwei Bundestagsabgeordnete zu Gast in Bonlanden

Dr. Martin Rosemann und Michael Hennrich

Versteckte Armut eine Herausforderung aller Generationen!

"Hilfe es ist so viel Monat am Ende des Geldes."

(Auf dem Podium von links nach rechts)  Dr. Martin Rosemann, Michael Hennrich, Andreas Arnold, Daniela Hihn, Sonja Pross

Am 5.2.20 stellten sich Michael Hennrich (MdB/CDU) und Dr. Martin Rosemann (MdB/SPD), sowie Daniela Hihn vom Diakonischen Werk Württemberg und Sonja Pross von der Schuldnerberatung Filderstadt diesem Thema bei unserer Podiumsdiskussion. Sowohl die Zahlen des Statistischen Bundesamtes als auch des Schuldenatlas 2019 belegen, dass das Armutsrisiko bei den Älteren und Menschen mit Migrationshintergrund stark zugenommen hat. Im Bundesdurchschnitt steht Baden-Württemberg noch vergleichsweise gut da. Dennoch ist Armut auch in Filderstadt greifbar. So wusste Frau Pross zu berichten, dass allein im Kirchenbezirk Bernhausen 32.000 Personen im Alter zwischen 18 und 82 Jahren überschuldet sind. Die Gründe für Armut liegen meistens bei den sogenannten  „Big Five“:

  1. Arbeitslosigkeit
  2. Niedriges Einkommen
  3. Scheidung, Trennung oder Tod des Partner
  4. Krankheit
  5. gescheiterte Selbstständigkeit

Einig waren sich alle auf dem Podium, dass Armutsbekämpfung eine zentrale staatliche Aufgabe ist. Doch die Differenzen zeigten sich, in dem Wie und in welchem Maße dies geschehen soll. Diskutiert wurde in vier Blöcken:

  1. Prekäre Arbeitsverhältnisse: Der Niedriglohnsektor ist in den letzten Jahren sehr gewachsen. Zur Zeit leben 5,7 Millionen Menschen von Arbeitslosengeld II (Harz IV), davon arbeitet 1 Million, muss aber aufstocken. Diskutiert wurde, in wie weit ein höherer gesetzlicher Mindestlohn, eine Kindergrundsicherung, gerechtere Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt bzw. gerechtere Bildungschancen helfen könnten.
  2. Bezahlbarer Wohnraum: In den letzten 10 Jahren haben sich die Mieten in Deutschland im Durchschnitt verdoppelt und der Wohnraum in Ballungsräumen ist knapp. Was dazu führt, dass bezahlbarer Wohnraum Mangelware ist. Besprochen wurde, wie der soziale Wohnungsbau gefördert werden kann, ob eine Wohngelderhöhung hilft und wie angemessene Mieten durchgesetzt werden können (z.B. Mietpreisbremse).
  3. Altersarmut: Sie nimmt stark zu und trifft vor allem Frauen. Debattiert wurde über die Grundrente und die Schwierigkeit der privaten Altersvorsorge bei geringem Verdienst.
  4. Pflege, die man sich leisten kann: Diskutiert wurde, ob die Pflegeversicherung eine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung sein bzw. werden soll, ob es eine Deckelung des Eigenanteil geben soll und natürlich wie Pflegepersonal gewonnen werden kann.

Allen Zuhörenden wurde an dem Abend klar, wie komplex das Thema Armut ist und dass es jeden treffen kann.